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Wirklich zuhören in der Physiotherapie

  • thugel
  • 25. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit



Ein Mann und eine Frau, die sich zuhören

Warum Zuhören mehr ist als eine Technik


Zuhören gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten in der Physiotherapie. Und doch ist genau dieser Teil der Kommunikation häufig unterschätzt. In einem Alltag, der von Zeitdruck, Erwartungen und Lösungssuche geprägt ist, wird Zuhören oft mit Schweigen verwechselt. Dabei bedeutet wirkliches Zuhören deutlich mehr als nichts zu sagen.

Motivational Interviewing lenkt den Blick genau auf diesen Unterschied. Es zeigt, dass Zuhören keine passive Haltung ist, sondern eine aktive Form von Beziehungsgestaltung. Eine Haltung, die Orientierung gibt, Sicherheit schafft und Veränderung erst möglich macht.


Zuhören ist nicht gleich Zuhören


Viele Gespräche verlaufen strukturiert, effizient und fachlich korrekt. Trotzdem verlassen Patientinnen und Patienten die Behandlung mit dem Gefühl, nicht wirklich verstanden worden zu sein. Der Grund liegt selten im fehlenden Wissen, sondern in der Art des Zuhörens.

Im Kontext des Motivational Interviewing lassen sich verschiedene Ebenen des Zuhörens unterscheiden. Manche Gespräche bleiben auf der Ebene des Reagierens. Aussagen werden aufgenommen, bewertet und direkt beantwortet. Andere Gespräche gehen einen Schritt weiter und spiegeln Inhalte zurück. Wirkliches Zuhören beginnt jedoch dort, wo Bedeutung, Emotionen und Zwischentöne wahrgenommen werden.


Was wirkliches Zuhören ausmacht


Wirkliches Zuhören bedeutet, sich innerlich verfügbar zu machen. Es bedeutet, eigene Lösungsimpulse für einen Moment zurückzustellen und den Fokus auf die Perspektive des Gegenübers zu richten.

Dabei geht es nicht darum, alles unkommentiert stehen zu lassen oder jede Aussage zu bestätigen. Es geht darum, verstehen zu wollen, wie ein Mensch seine Situation erlebt. Welche Sorgen, Hoffnungen oder Zweifel mitschwingen. Welche Erfahrungen das aktuelle Verhalten geprägt haben.

Wenn Menschen merken, dass sie gehört werden, verändert sich das Gespräch spürbar. Die Sprache wird klarer. Gedanken ordnen sich. Ambivalenzen dürfen ausgesprochen werden. Veränderung wird denkbar.


Zuhören als Haltung im Motivational Interviewing


Im Motivational Interviewing ist Zuhören untrennbar mit Haltung verbunden. Es basiert auf Partnerschaft, Akzeptanz, Mitgefühl und dem Vertrauen darauf, dass Menschen ihre eigenen Gründe für Veränderung in sich tragen.

Diese Haltung zeigt sich im Zuhören. Nicht durch perfekte Fragen, sondern durch Präsenz. Durch echtes Interesse. Durch die Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten, ohne sie sofort auflösen zu wollen.

Zuhören bedeutet in diesem Kontext auch, nicht vorschnell zu interpretieren. Nicht zu korrigieren. Nicht zu überzeugen. Sondern Raum zu lassen, damit sich innere Prozesse entfalten können.


Warum Zuhören Veränderung unterstützt


Viele Patientinnen und Patienten kommen mit widersprüchlichen Gedanken in die Therapie. Sie wissen, dass Bewegung sinnvoll ist, haben aber Angst vor Schmerzen. Sie möchten aktiver sein, fürchten jedoch Überforderung. Diese Ambivalenzen werden oft als Widerstand missverstanden.

Wirkliches Zuhören hilft, diese inneren Konflikte sichtbar zu machen. Ohne Bewertung. Ohne Druck. Wenn Ambivalenzen ausgesprochen werden dürfen, verlieren sie an Macht. Orientierung entsteht nicht durch Argumente, sondern durch Verstehen.

So wird Zuhören zu einem zentralen Bestandteil wirksamer physiotherapeutischer Kommunikation.


Zuhören im therapeutischen Alltag


Im Praxisalltag bedeutet wirkliches Zuhören nicht, jede Behandlung zu verlängern oder ausführliche Gespräche zu führen. Oft reichen wenige bewusste Momente. Ein echtes Nachfragen. Ein zusammenfassender Satz. Ein Spiegeln dessen, was gesagt wurde.

Diese kleinen Interventionen verändern die Qualität der Beziehung. Sie stärken Vertrauen. Sie fördern Eigenverantwortung. Und sie entlasten auch Therapeutinnen und Therapeuten, weil weniger Widerstand entsteht und Entscheidungen gemeinsam getragen werden.


Fazit


Zuhören ist keine Technik, die man zusätzlich erlernt. Es ist eine Haltung, die die gesamte therapeutische Arbeit prägt. Motivational Interviewing macht deutlich, dass wirkliches Zuhören einer der wirksamsten Wege ist, Menschen in Veränderungsprozessen zu begleiten.

Wer zuhört, ohne zu drängen, schafft Beziehung. Wer Beziehung schafft, ermöglicht Veränderung.

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