Die Haltung im Motivational Interviewing. Warum sie alles verändert.
- thugel
- 12. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Motivational Interviewing wird oft missverstanden als Sammlung von Gesprächstechniken. In der physiotherapeutischen Arbeit geht es jedoch nicht darum, Patienten über sprachliche Strategien zu Veränderung zu bewegen. Es geht um eine Haltung, die Beziehung, Autonomie und Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt. Diese Haltung entscheidet darüber, ob Kommunikation für Patienten entlastend oder belastend wirkt.
1. Motivational Interviewing ist zuallererst eine Haltung
Die Haltung im MI beschreibt die innere Grundausrichtung, mit der Therapeutinnen und Therapeuten ihren Patienten begegnen. Sie prägt die Atmosphäre jeder therapeutischen Interaktion. Sie entscheidet darüber, ob Menschen sich sicher genug fühlen, ehrlich zu sprechen, Ambivalenzen zu zeigen oder Unsicherheiten zu äußern.
Im MI gilt:
Menschen haben Gründe für ihr Verhalten
Menschen wollen sich entwickeln
Menschen können Veränderung nur dann beginnen, wenn sie selbst dahinterstehen
Diese Sichtweise wirkt unmittelbar auf den Gesprächsverlauf und auf die Qualität der therapeutischen Beziehung.
2. Die vier Grundhaltungen im MI
Partnerschaft
Therapie ist ein gemeinsamer Prozess. Sie begegnen Ihrem Patienten auf Augenhöhe. Sie geben Raum für eigene Sichtweisen und Ressourcen. Sie führen nicht, sondern begleiten.
Akzeptanz
Akzeptanz bedeutet, Menschen voll anzunehmen. Mit ihrer Geschichte, ihren Schwierigkeiten und ihren bisherigen Entscheidungen. Akzeptanz schafft Sicherheit. Sicherheit schafft Offenheit.
Mitgefühl
Mitgefühl bedeutet, das Wohl des anderen im Blick zu behalten. Es meint nicht Mitleid, sondern eine respektvolle, zugewandte Haltung. Sie achten auf Grenzen und übernehmen keine Verantwortung, die nicht Ihre ist.
Hervorlocken
Statt Lösungen vorzugeben, helfen Sie Ihrem Patienten, eigene Gründe für Veränderung zu finden. Veränderung wird so zu einem persönlichen Prozess, nicht zu einem auferlegten.
3. Warum Haltung wichtiger ist als Technik
Viele Schwierigkeiten in der therapeutischen Kommunikation entstehen nicht wegen fehlender Methoden. Sie entstehen, weil Patienten sich nicht verstanden fühlen. Oder weil Sie als Behandler zu schnell Lösungen anbieten, bevor die Person bereit dafür ist.
Die Haltung im MI schafft ein Klima, in dem Patienten autonom entscheiden können. In dem sie nicht gegen Vorschläge kämpfen müssen. In dem Veränderung nicht erzwungen, sondern begleitet wird.
4. Was sich durch MI im Therapieraum verändert
Wenn Sie in MI-Haltung kommunizieren, verändert sich die Atmosphäre spürbar:
Patienten sprechen offener
Widerstand wird seltener
Ambivalenzen dürfen gezeigt werden
Therapieziele werden klarer
Behandlungen wirken nachhaltiger
Der Fokus liegt weniger auf Ratschlägen und mehr auf Zusammenarbeit. Die Beziehung wird stabiler. Die Motivation entsteht aus der Person selbst, nicht aus der Intervention.
5. Fazit
Die MI-Haltung ist kein Werkzeug, sondern ein Fundament. Sie verändert nicht nur Gespräche, sondern das gesamte therapeutische Denken. Wer mit Partnerschaft, Akzeptanz, Mitgefühl und Hervorlocken arbeitet, erlebt Therapie als weniger belastend und gleichzeitig wirksamer.
Wenn Sie neugierig sind, wie MI Ihren therapeutischen Alltag verändern kann, lade ich Sie ein, die weiteren Artikel dieser Serie zu lesen. Jede Woche vertiefen wir einen Aspekt der Kommunikation in der Physiotherapie.




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