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Anliegenklärung in der Physiotherapie

  • thugel
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit



Zwei Menschen in einem Gespräch. Bild generiert mit KI

Warum Verstehen vor Verändern kommt


In der physiotherapeutischen Arbeit steht häufig ein konkretes Symptom im Vordergrund. Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder funktionelle Probleme. Was dabei leicht übersehen wird ist, dass hinter diesen Symptomen oft unterschiedliche Anliegen stehen. Anliegen, die weit über das Körperliche hinausgehen.


Motivational Interviewing legt den Fokus genau auf diesen Punkt. Es zeigt, dass erfolgreiche Therapie nicht dort beginnt, wo Maßnahmen geplant werden, sondern dort, wo Anliegen verstanden werden.


Was Anliegenklärung bedeutet


Anliegenklärung beschreibt den Prozess, gemeinsam mit Patientinnen und Patienten zu verstehen, worum es ihnen wirklich geht. Nicht nur, was weh tut. Sondern was dieses Problem für ihr Leben bedeutet.


Ein Anliegen kann sein:

  • wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen

  • Sicherheit im Alltag zu erleben

  • Belastbarkeit einschätzen zu können

  • Angst vor Verschlechterung zu verlieren


Diese Anliegen sind nicht immer sofort sichtbar. Sie zeigen sich oft erst im Gespräch, wenn Raum dafür entsteht.


Symptom und Anliegen sind nicht dasselbe


In der Praxis werden Symptome häufig mit Anliegen verwechselt. Jemand kommt wegen Rückenschmerzen und erhält ein Übungsprogramm.


Doch vielleicht geht es dieser Person eigentlich um die Sorge, den Arbeitsplatz nicht mehr bewältigen zu können. Oder um die Angst, dauerhaft eingeschränkt zu bleiben.


Wenn Symptome behandelt werden, ohne das dahinterliegende Anliegen zu klären, entstehen Missverständnisse. Maßnahmen greifen dann oft zu kurz. Motivation bleibt fragil. Frustration auf beiden Seiten kann entstehen.


Anliegenklärung im Motivational Interviewing


Im Motivational Interviewing ist Anliegenklärung ein zentraler Bestandteil der Kommunikation. Sie geschieht nicht durch gezielte Diagnostikfragen allein, sondern durch Zuhören, Nachfragen und Zusammenfassen.


Wichtige Elemente dabei sind:

  • offene Fragen, die zum Erzählen einladen

  • reflektierendes Zuhören, das Bedeutung sichtbar macht

  • Zusammenfassungen, die Struktur geben


So entsteht Schritt für Schritt Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist.


Warum Anliegenklärung Zeit spart


Auf den ersten Blick scheint Anliegenklärung zeitaufwendig zu sein. In der Realität spart sie häufig Zeit. Gespräche werden klarer. Ziele werden realistischer. Maßnahmen werden passender.


Wenn das Anliegen klar ist, müssen weniger Dinge erklärt werden. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Widerstand nimmt ab, weil sich Menschen verstanden fühlen.


Anliegen entwickeln statt erraten


Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass Therapeutinnen und Therapeuten das Anliegen erkennen müssten.


Im Motivational Interviewing geht es jedoch nicht darum, das richtige Anliegen zu erraten. Es geht darum, es gemeinsam zu entwickeln.


Anliegen entstehen im Dialog. Sie verändern sich im Verlauf der Therapie. Sie dürfen unscharf beginnen und klarer werden. Diese Offenheit entlastet beide Seiten.


Anliegenklärung als Grundlage für Veränderung


Erst wenn Anliegen benannt sind, kann Veränderung sinnvoll geplant werden.

Ziele bekommen dann Bedeutung. Übungen werden nicht nur durchgeführt, sondern verstanden.

Motivation entsteht nicht aus Vorgaben, sondern aus persönlicher Relevanz.

Anliegenklärung schafft die Basis für Eigenverantwortung und nachhaltige Veränderung.


Fazit


Anliegenklärung ist kein zusätzlicher Schritt im Therapieprozess. Sie ist sein Fundament.

Motivational Interviewing erinnert daran, dass Verstehen vor Verändern kommt. Wer sich die Zeit nimmt, Anliegen gemeinsam zu klären, schafft Orientierung, Vertrauen und Wirksamkeit in der physiotherapeutischen Arbeit.

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