Change Talk in der Physiotherapie sichtbar machen
- thugel
- 15. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Wie Sprache Veränderung in der Physiotherapie ermöglicht
Veränderung ist ein zentrales Ziel in der physiotherapeutischen Arbeit. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass Veränderung nicht entsteht, weil Menschen gut informiert sind.
Sie entsteht, wenn Menschen selbst beginnen, über Veränderung zu sprechen.
Genau hier setzt das Konzept des Change Talk im Motivational Interviewing an. Es beschreibt jene Momente im Gespräch, in denen Patientinnen und Patienten eigene Gründe, Wünsche oder Überlegungen zur Veränderung formulieren.
Diese Aussagen sind keine Nebensache. Sie sind der Motor für nachhaltige Veränderung.
Was ist Change Talk
Change Talk bezeichnet Äußerungen, die in Richtung Veränderung weisen. Sie können vorsichtig, zögerlich oder noch unsicher sein. Trotzdem zeigen sie, dass innerlich etwas in Bewegung geraten ist.
Typische Beispiele für Change Talk sind Aussagen wie:
Ich möchte wieder beweglicher sein
Vielleicht würde mir mehr Bewegung gut tun
Ich merke, dass es so nicht weitergehen kann
Wichtig ist dabei nicht die Stärke der Aussage, sondern ihre Richtung. Change Talk zeigt eine innere Auseinandersetzung mit Veränderung.
Warum Change Talk so bedeutsam ist
Im Motivational Interviewing gilt ein zentraler Grundsatz. Je häufiger Menschen selbst über Veränderung sprechen, desto wahrscheinlicher wird sie.
Nicht, weil Worte magisch wirken, sondern weil Sprache innere Prozesse ordnet.
Wenn Patientinnen und Patienten ihre eigenen Gründe aussprechen, gewinnen diese an Klarheit. Motivation wird greifbar. Entscheidungen werden bewusster. Veränderung wird zu etwas Eigenem und nicht zu einer fremden Anforderung.
Change Talk in der Physiotherapie erkennen statt übergehen
Im therapeutischen Alltag gehen Change Talk Momente oft unter. Nicht aus Unachtsamkeit, sondern aus Gewohnheit. Der Fokus liegt häufig auf Planung, Erklärung oder Anleitung. Dabei wird überhört, wenn jemand bereits Veränderungsbereitschaft andeutet.
Change Talk zeigt sich oft leise. In einem Nebensatz. In einer vorsichtigen Formulierung. In einem "Vielleicht" oder "Ich glaube".
Genau diese Stellen verdienen Aufmerksamkeit.
Wer Change Talk erkennt, kann innehalten. Nachfragen. Spiegeln. Zusammenfassen. So wird aus einem kurzen Gedanken ein tragfähiger Veränderungsimpuls.
Die Rolle der Therapeutin und des Therapeuten
Die Aufgabe besteht nicht darin, Change Talk zu erzeugen. Sie besteht darin, Raum dafür zu lassen.
Sobald Therapeutinnen oder Therapeuten beginnen zu argumentieren, zu überzeugen oder zu korrigieren, tritt häufig das Gegenteil ein. Der sogenannte Sustain Talk wird stärker und die Person verteidigt den Status quo.
Wenn Sie hingegen zuhören, spiegeln und neugierig bleiben, wird Change Talk gestärkt. Die Person hört sich selbst sprechen und gewinnt Orientierung über die eigenen Beweggründe.
Change Talk sichtbar machen durch Sprache
Change Talk wird sichtbar, wenn er aufgegriffen wird.
Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Durch eine einfache Spiegelung dessen, was gesagt wurde. Durch eine offene Frage, die den Gedanken vertieft. Oder durch eine Zusammenfassung, die Zusammenhänge verdeutlicht.
Entscheidend ist die Haltung dahinter. Es geht nicht darum, Gespräche zu steuern. Es geht darum, Prozesse zu begleiten.
Veränderung entsteht nicht durch gute Argumente, sondern durch innere Klarheit.
Change Talk im physiotherapeutischen Kontext
In der Physiotherapie spielt Change Talk eine besondere Rolle.
Viele Patientinnen und Patienten stehen vor langfristigen Anpassungen. Mehr Bewegung. Veränderte Routinen. Neue Umgangsweisen mit Belastung oder Schmerz.
Wenn Change Talk sichtbar wird, können Therapieziele gemeinsam entwickelt werden.
Nicht als Vorgabe, sondern als Ergebnis eines Dialogs. Das erhöht die Eigenverantwortung und stärkt die therapeutische Beziehung.
Fazit
Change Talk ist kein Werkzeug, das man anwendet. Es ist ein Phänomen, das man wahrnimmt.
Wer lernt, diese Momente zu erkennen und ihnen Raum zu geben, unterstützt Veränderung auf eine respektvolle und nachhaltige Weise.
Motivational Interviewing erinnert uns daran, dass Veränderung nicht gemacht werden kann. Sie entsteht, wenn Menschen ihre eigenen Gründe finden und aussprechen dürfen.




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